2010-09-22

SUISSE - ARLESHEIM - Georg Baselitz – Werke aus der Sammlung Würth


Mit Georg Baselitz präsentiert das Forum Würth Arlesheim einen der bedeutendsten Erneuerer auf dem Gebiet der zeitgenös-sischen Malerei seit 1960.
1938 als Georg Kern in Deutschbaselitz (Oberlausitz) geboren, hatte er nach Reibereien im Kunststudium im Alter von 20 Jahren die DDR Richtung Westberlin verlassen und früh seinen eigenen künstlerischen Weg entdeckt. Er wollte weder den leeren Pathos, des durch NS-«Kunst» und Ost-Malerei verunglimpften Realismus am Leben erhalten, noch sich einer aus den USA von der Westkunst bedingungslos übernommenen Abstraktion anbiedern. Stattdessen schuf er kraftvolle Gemälde, mit denen er die Kunstwelt buchstäblich auf den Kopf stellte. Monumentale Holz- und Linolschnitte, ein bedeutendes grafisches Werk und seit 1980 auch kantig gesägte und farbig gefasste Skulpturen zählen ebenfalls zu seinem viel beachteten Schaffen.

Basel spielt in der Rezeption von Georg Baselitz eine besondere Rolle: 1970 realisierte Dieter Koepplin im Kunstmuseum die erste Museums-ausstellung des Künstlers. Nach diesem bedeutenden Auftakt war Baselitz regelmässig in Basler Ausstellungshäusern präsent, sei es im Kunstmuseum, in der Kunsthalle oder bei Beyeler.
Von Beginn seiner künstlerischen Laufbahn hat Baselitz sein «Maler-Sein» als Kampfansage an überkommene Sehgewohnheiten verstanden. Sein wohl berühmtester Schachzug in seinem Streben, die Malerei von erstarrten Formen und vom Bildinhalt zu befreien, gelang ihm 1969, als er die Bildmotive auf den Kopf stellte. Aber auch vierzig Jahre später stellen seine scheinbar klar ablesbaren, in ihrer Verflechtung jedoch stets mehrdeutigen Kompositionen unsere gewohnten Assoziationen in Frage, indem sie uns zwingen über Identität und Bedeutung von Darstellung und Wirklichkeit und deren Zusammenhang nachzudenken.

Dabei scheut Baselitz keine Provokation. Ein frühes Skandalbild – «Die grosse Nacht im Eimer» (1963), das wegen seiner Darstellung eines masturbierenden Jungen von der Polizei in Berlin als obszön beschlagnahmt wurde – erscheint in einer aktuellen Remix-Version als Mann mit Hitlerbärtchen und Totenköpfen als Attribut. In einer anderen Bildserie greift Baselitz auf die Swastika-Zeichen zurück und verbindet dieses mit einer Referenz an Piet Mondrian. Swastika, ein ursprünglich aus dem Sanskrit stammender Begriff, der dort «Glücksbringer» bedeutet, bezeichnet ein Kreuzsymbol mit winkeligen oder gebogenen Enden. In Form eines auf der Spitze stehenden Hakenkreuzes wurde der Symbolgehalt des Kreuzes unter den Nationalsozialisten missbraucht und die ursprüngliche Bedeutung überlagert.
Malerei, Druckgrafik und Skulptur
Neben der Malerei widmet sich die Ausstellung im Forum Würth auch der Druckgrafik und Skulptur. Den Gemälden nahe stehend entwickelt Baselitz in ihnen gleichzeitig eine eigenständige Ausdrucksform. In den Druckgrafiken ist die Reduktion der Farbigkeit auf ein grafisches Schwarzweiss von grosser Wirksamkeit. Die Struktur, die Baselitz in das Bildfeld eingräbt, wird zum beherrschenden Motiv. Die Skulptur wiederum drückt mit ihrer physischen Kraft und materiellen Präsenz eine sehr ursprüngliche Formgewalt aus.



Forum Würth Arlesheim 24.09.2010 - 27.03.2011



Website : Arlesheim